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Interkulturelle Kompetenz im Lehrerzimmer oder: „Herr Öztürk, könnten Sie mal in meine Klasse kommen und mit den türkischen Jungs reden, damit die sich mal benehmen?“

ab 13.30

Referentin: Dr. phil. Yalız Akbaba

Interkulturelle Kompetenzen stehen hoch im Kurs. Eine Einigkeit darüber, was darunter zu verstehen ist, gibt es nicht. In der Regel sehen wir diese Kompetenz aber als notwendige an, wenn wir es mit ‚Heterogenität’ unter Schüler*innen zu tun haben. Seit etwa zehn Jahren wird solchen Lehrer*innen besondere Beachtung geschenkt, in deren Biografie ein Migrationshintergrund erkannt wird, in Folge dessen eine besondere Eignung für interkulturell kompetentes Handeln angenommen wird. Der Vortrag arbeitet als erstes die Probleme heraus, die in dieser Ansprache der Lehrer*innen steckt: Wenn Lehrer*innen mit Verweis auf ihre Fremdheit als „Vermittler*innen“, „Vorbilder“ und „Kulturbrücken“ imaginiert werden, dann steuern die gut gemeinten Bilder über diese Lehrer*innen zu einer Kulturalisierung von Problemen der Schule bei und lenken von sozialen und institutionellen Problemen ab. Das Verständnis von Interkultureller Kompetenz ist dann eines, das soziales Verhalten als kulturelles Verhalten versteht. Als zweites schlägt der Vortrag ein alternatives Verständnis von Interkultureller Kompetenz vor. Dazu gehören: ein erweitertes Kulturverständnis; Wissen darüber, wie und wozu Abgrenzungen verlaufen; Wissen über Ungleichheit in Gesellschaft, Institutionen und Interaktionen; und Selbstreflexion im Sinne einer Bewusstwerdung über eigene Positionen und Haltungen. Ziel ist, die eigenen Handlungsperspektiven zu erweitern.

Dieses Verständnis von interkultureller Kompetenz rückt die Beobachtungskompetenz der Differenzkategorien in den Mittelpunkt. Es soll also darum gehen, zu erkennen, wer, über wen, aus welcher Position und wozu über Kultur spricht. Das aufgestellte Konzept über Interkulturelle Kompetenz wird drittens an einem realen Beispiel ‚getestet’: Herr Öztürk (Name geändert) wird am ersten Tag seiner Arbeit an der Schule mit einer Bitte konfrontiert, die als Beispiel für vermittelnde Aufträge von Lehrer*innen mit sogenanntem Migrationshintergrund stehen kann. Eine Kollegin bittet ihn um Hilfe, ‚die türkischen Jungs’ aus ihrer Klasse zum Benehmen zu bringen. Anhand des Beispiels lässt sich anschaulich diskutieren, wie hilfreich interkulturelle Kompetenz im Lehrer*innenzimmer ist, um die Kulturalisierung des Sozialen zu identifizieren (oder zu vermeiden), um Abgrenzungsprozesse zu verstehen (und regulierend, nicht verstärkend zu handeln), und um reflexiv mit Kategorien umzugehen.

Der bildungspolitische Zeitgeist ist aktuell davon bestimmt, Vielfalt wertzuschätzen. Wenn aber Vielfalt zu einer Chiffre wird, mit der Defizitorientierung und Stigmatisierung unter neuen Vorzeichen fortgeführt werden kann, dann braucht es wachsame Pädagog*innen, die sich im Dickicht des Themenfeldes Schule und Fremdheit zu Gunsten ihrer Schüler*innen zurechtfinden. Ethnische und kulturelle Kategorisierungen sind allgegenwärtig und verändern zusammen mit gesellschaftlichen Wandlungen ihre Erscheinungsformen und Bedeutungszusammenhänge. Wir können uns gemeinsam den Fragen stellen, wie wir unseren Wunsch nach Kategorisierungssicherheit – so menschlich wie tückisch – mit Ambiguitätstoleranz erweitern können. Ich freue mich auf die Diskussion mit Ihnen.

Yalız Akbaba (Dr. phil.) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Sie lehrt und forscht in den Bereichen der kritischen Migrationsforschung, der pädagogischen Professionalisierung und der Methoden qualitativer Sozialforschung, vor allem der (Diskurs-)Ethnografie und der fallrekonstruktiven Unterrichtsforschung. Ihre Dissertation „Lehrer*innen und der Migrationshintergrund. Widerstand im Dispositiv“, erschienen 2017 bei Beltz Juventa, untersucht die Doppelbindungen, die der stereotyp geführte Diskurs über Fremdheit und Schule für das Lehrer*innenhandeln auslöst. Die ethnografische Studie wurde 2017 mit dem Dissertationspreis der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ausgezeichnet.

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Das Bild zeigt eine aufzeigende Hand im Fokus mit mehreren verblassenden aufzeigenden Händen im Hintegrund.

Anmeldung ab sofort bis zum 25.6.2017 mit Workshopwunsch und Zweitwunsch an
profile(at)plaz.upb(dot)de

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