Hoch­be­ga­bung und Hoch­sen­si­bi­li­tät – zwi­schen So­ci­al-Me­dia-Hy­pe und päd­ago­gi­scher Re­a­li­tät

Profiltag 2026

 

Termin:17.11.2026, 14 bis 17 Uhr
Ort:Studiobühne, Universität Paderborn
Veranstalterin:                   AG Gute gesunde Schule mit freundlicher Unterstützung von PLAZEF e.V. und DiversiTeach
Zielgruppe:                    Lehramtsstudierende aller Schulformen und Fächer, Profilstudierende, Lehrende, Lehramtsanwärter*innen, Lehrkräfte, weitere interessierte Personen
Anmeldung:bis zum 10.11.26 über profile@plaz.upb.de

Hochbegabung und Hochsensibilität sind derzeit viel diskutierte Themen, die für Lernsettings und individuelle Lernbiografien eine hohe Relevanz haben. Die Veranstaltung bietet eine fundierte Einordnung durch Referent*innen eines Instituts, das seit über 30 Jahren zu den Zusammenhängen von Begabung, Leistung, Persönlichkeit und Verhalten arbeitet und Erwachsene, Kinder sowie Jugendliche begleitet. Im Mittelpunkt stehen eine ressourcenorientierter Perspektive und konkrete Strategien für Studium und schulische Praxis. In Impulsvorträgen und einer Podiumsrunde werden Erfahrungen aus Beratung, Schule und Hochschule zusammengeführt. Ziel ist es, zu informieren, zu sensibilisieren und Lehramtsstudierenden, Lehrer*innnen sowie weiteren Interessierten mehr Sicherheit in der Begegnung mit Lernenden zu geben.

Pro­gramm

Impulsvortrag Hochbegabung, Dipl.-Psych. Thomas Eckerle, IGL Frankfurt

Im Zusammenhang mit Hochbegabung werden seit langer Zeit zwei wesentliche Fragen diskutiert: 

1. Was ist Hochbegabung eigentlich? Hier geht es um die Frage, ob (Hoch-)Begabung als Potenzial verstanden werden kann, dessen Entfaltung zu großen Leistungen führen kann, oder ob Hochbegabung sich (erst) durch hohe Leistungsqualität manifestiert. 

2. Warum und wie fördert man (Hoch-)Begabte? Versteht man Hochbegabung als Potenzial, dann ist die Förderung von Hochbegabten eine Notwendigkeit, um die Entfaltung des Potenzials als Teil der Persönlichkeit und damit das Gelingen der Teilhabe sicherzustellen. Versteht man Hochbegabung jedoch als hohe Leistungsqualität, dann dient die Förderung der Entwicklung von Leistungsexzellenz. 

Der Vortrag zeigt auf, dass Hochbegabung mehr als nur die Grundlage für Leistungsexzellenz ist, sondern vielmehr unser Erleben und damit auch unser Fühlen und Wollen beeinflusst. Wenn auch selbst kein Merkmal einer psychischen Störung, so lässt sie sich im Themenspektrum „Neurodiversität“ verorten. Dargestellt wird ferner, warum Menschen mit Merkmalen der Hochsensibilität oft auch hoch begabt sind – ohne in Bezug auf die Leistungsqualität davon zu profitieren.

Dipl.-Psych. Thomas Eckerle hat zunächst im Auftrag des Fraunhofer-Instituts an der Entwicklung von validen Tests zur Personalauswahl gearbeitet. Seit 1994 ist er freiberuflich in der Diagnostik von Potenzialen (aktuell über 8300 Fälle) tätig. In der Zusammenarbeit mit Rotraut Engelhardt berät er Familien und Schulen zu sinnvollen Förderansätzen und führt Evaluation zur Qualitätsentwicklung von Schule und Unterricht durch. Es ist auch Vater von drei hochbegabten Kindern, die sein Bewusstsein dafür geprägt haben, dass Begabtenförderung kein akademisches (Rand-)Thema ist, sondern eine alltäglich wiederkehrende Herausforderung in der Praxis.

Impulsvortrag Hochsensibilität, Dipl.-Päd. Rotraut Engelhardt, IGL Frankfurt 

Der Begriff „Hochsensibilität“ wurde in den 90ern des letzten Jahrhunderts von der Psychologin Elain Aaron erstmals geprägt und beschrieben. Er meint eine besondere Weise nicht: der Aufnahme von Reizen, sondern deren Verarbeitung: niedrigschwellig, reichhaltig, tiefgehend. Er entstand in Folge der Reflexion ihres eigenen Erlebens nach einer Operation, eine einschneidende Erfahrung. Ein wissenschaftlicher Nachweis des Phänomens steht aus, allerdings scheint der Begriff die Erfahrungen vieler Menschen zu beschreiben, Schätzungen liegen bei 10 bis 30 % der Bevölkerung. 

Der Vortrag geht auf die folgenden Fragen ein: Wie erlebt eine hochsensible Person die Welt? Muss diesem Erleben überhaupt Aufmerksamkeit geschenkt werden? Welche Rolle nehmen Pädagog*innen dabei ein? Gibt es somatische oder psychische Auffälligkeiten, auf die eine Hochsensibilität hinweist? Besteht ein Abgrenzungsbedarf zu anderen Phänomenen? In den Antworten möchte der Vortrag aufzeigen, dass die psychosoziale Umgebung des hochsensiblen Menschen einen großen Stellenwert für seine persönliche Entwicklung darstellt und Hochsensibilität deswegen auch eine pädagogische Herausforderung darstellen kann.

Dipl.-Päd. Rotraut Engelhardt ist Musikpädagogin und hat einen Master in Sonderpädagogik. Sie ist seit 2000 mit Thomas Eckerle auf dem Gebiet der Potenzialermittlung und -entwicklung von Kindern, Jugendlichen und deren Familien freiberuflich tätig. Ihre drei Kinder sind teils Grund, teil Triebkräfte ihres beruflichen Schwerpunktes. Ihre Perspektive auf das Thema wurde durch einen dreijährigen Aufenthalt mit unterschiedlichen pädagogischen Aufgaben in Schweden geweitet und bereichert. Im Rahmen ihres Studiums an der Hochschule Dalarna beschäftigt sie sich aktuell u.a. mit Hochsensibilität und der didaktischen Aufbereitung emotional herausfordernder Literatur. 

        Moderation: Prof. Dr. Katrin Klingsieck